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Die Urgewalten des Windes


Wenn das säuselnde Lüftchen zum tosenden Orkan wird


Jeder Sturm beginnt mit Säuseln. Die Anfangs sanfte Luft wird zum alles zerstörenden Orkan der nicht selten ein Chaos hinterlässt. Solche Unwetter treten angesichts der globalen Erwärmung auch bei uns immer häufiger auf.



Besonders Wälder leiden unter dieser Urgewalt. Umgestürzte, kreuz und quer liegende Bäume, sowie aufgeklappte Wurzelteller sind das Ergebnis solch extremer Naturereignisse.

Der Mensch kann nur noch machtlos und staunend angesichts solcher Naturkräfte zusehen, wie ein hundert Jahre alter Wald binnen weniger Minuten schlichtweg abrasiert wird. Vor allem wenn es vor einem Sturm länger regnete, so dass die Böden durchgeweicht sind, haben es die Winde leicht, die Wiederstandskraft der Bäume zu brechen.

Besonders anfällig ist in unseren Breiten die flachwurzelnde Fichte, die in durchnässten Böden keinen Halt mehr hat.

Da braucht es nicht einmal eines Orkans - schon bei stärkeren Winden fallen diese dann reihenweise um. Bei solchen Wetterlagen kann ein Spaziergang in einem Fichtenwald zu einer tödlichen Gefahr werden.

Das obere Bild zeigt Fichten, deren Stämme von einer Orkanböe wie Streichhölzer abgeknickt wurden


  Orkan ist eine bestimmte Windstärke


.Die Bezeichnung Orkan wird nicht für ein bestimmtes Wettersystem verwendet, wie manche irrtümlich glauben, sonder es ist in erster Linie die Bezeichnung für eine bestimmte Windstärke. Als solche werden Winde mit Geschwindigkeiten von mindestens 32.7 m/s (117.7 km/h) bezeichnet. Mit der Stärke 12 und mehr klassifiziert man Orkane auf der Beaufort-Skala. Besonders häufig treten Orkane über dem Wasser auf, da hier die Reibungskräfte sehr viel geringer sind, als über dem Land. Auf dem Festland treten Winde in Orkanstärke meist nur auf exponierten Berggipfeln, in Küstengebieten, auf Inseln oder in Orkanböen auf.



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Die meisten Orkane entstehen im Herbst und im Winter, aufgrund der extremen Temperaturgegensätze zwischen Norden und Süden. Diese kalten und warmen Luftmassen, die meist über dem Atlantik zusammen prallen, setzen besonders viel Energie frei, die dann als Orkan über See und Land fegen. Eine Folge dieser kräftigen Luftaufmischung sind ergiebige Niederschläge.

  Superorkan Lothar

Besonders verheerende Winde mit Orkanstärke waren im Jahr 1990 die Stürme Wibke und Vivienne die innerhalb von vier Tagen wüteten. Im Vergleich zu dem Orkan Lothar, der am zweiten Weihnachtsfeiertag 1999 auftrat, waren diese beiden jedoch harmlos. In zwei Stunden verwüstete Lothar viermal soviel Wald wie Wibke und Vivienne zusammen in mehreren Tagen.

Auf dem Feldberg im Schwarzwald wurde eine Windgeschwindigkeit von 212 Kilometer pro Stunde gemessen, bevor das Windmessgerät ausfiel.

Angesichts solcher Naturgewalten ist es nicht verwunderlich, wenn nicht nur in grauer Vorzeit der Sturm neben Blitzschlag und Hagel als Sinnbild göttlicher Macht galt, die auf diese weise für Recht und Ordnung auf der Erde sorgte.








  Jetstreams die stärksten Winde

Berühmte regionale Winde die jedoch kaum in Orkanstärke, dafür aber regelmäßig auftreten und der dort wohnenden Bevölkerung oft zu schaffen macht, sind der französische "Mistral", der "Alpenföhn", der afrikanische "Schirokko", der nordamerikanische "Chinook" oder der indische "Monsun". Nicht selten leiden wetterfühlige Menschen schwer unter ihnen.

Am eindruckvollsten unter den Luftmassenbewegungen der Erde ist jedoch der "Jetstream". Dieser tritt in einer Höhe von etwa 10 km auf und erreicht Geschwindigkeiten zwischen 100 und 600 km/h. Die Luftfahrt nützt diese Jetstreams als hilfreiche Rückenwinde aus und spart so eine Menge Treibstoff. Heute wird der Wind auch in anderer Weise immer häufiger als Treibstoff genützt. Hunderte von Windkrafträdern erzeugen mittlerweile durch die Windenergie Strom.



Text und Fotografien © Walter J. Pilsak  2007  

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