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Herzblatt für einen Baum x |
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Die sprichwörtliche Volkstümlichkeit der Linden |
Mit ihren herzförmigen Blättern und der weitausladenden, schattenspendenden Krone
ist die Linde
einer der beliebtesten
Bäume. Seit jeher haben wir zu ihr ein inniges Verhältnis. Dies kommt schon in den
Liedern des Minnesängers "Walther von der Vogelweide" zum Ausdruck. Auch heute
noch besingen wir in einem Lied von Schubert die Linde, die am Brunnen vor dem Tore steht.
Wie volkstümlich die Linde ist, sieht man daran, daß es in Deutschland über
1.000 Ortschaften geben soll, in deren Name das Wort Linde vorkommt.
Früher pflanzte man die Linde oft mitten im Dorf. Hier bildete sie den eigentlichen Mittelpunkt,
an dem man sich traf, Verträge abschloß oder Gericht hielt. Linden wurden auch als
sogenannte Tanzlinden verwendet. Zur Kirchweih spielten dort die Musikanten zum Tanz. Noch
heute wird in manchen Ortschaften dieser Brauch gepflegt.
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Baum der Liebe |
Ob vor der Kirche, am Dorfplatz oder als Hausbaum; waren diese groß und mächtig,
galten sie als Seelensitz in dem die guten Geister sowie die Seelen der verstorbenen Ahnen
wohnten. Die Linde wird aber auch schon immer genannt, wenn es um die Liebe geht. Johann Wolfgang
von Goethe beschreibt den Platz unter der Linde als idealen Liebesort. Bei den Germanen wurde
die Linde der Göttin der Liebe und Fruchtbarkeit, "Freya", geweiht. Diese war
auch Wächterin über Geburt, Vermählung, Ehe und Frieden. Unsere Vorfahren vollzogen
unter dem Blätterdach der Linde deshalb auch ihre Hochzeitsriten. In alten Zeiten soll
es der Brauch gewesen sein, daß man unter blühenden Linden Jungfrauen versteigerte.
Wer sie bekam, durfte mit ihr ein Jahr lang tanzen und spazierengehen. Verlor das Mädchen
während dieser Zeit ihre Jungfräulichkeit, wurde das Gras unter der Linde gekürzt.
Aus den Freya-Linden der vorchristlichen Zeit wurden später die Marien-Linden. In ihnen
fand das Mütterliche und Weibliche ihren Ausdruck.
Würde man die Linde an ihrer Beliebtheit und Volkstümlichkeit messen, wäre sie
eine der häufigsten Baumarten in Deutschland. Doch das Gegenteil ist der Fall. Sie nimmt
zwar seit einigen Jahrzehnten zu - im Vergleich zu anderen Baumarten ist ihr Anteil jedoch
nur minimal. Da das Holz der Linde nur einen geringen Brennwert besitzt, schätzte man
sie als Waldbaum weniger. Sie ist eher ein Baum der offenen Landschaft und der menschlichen
Ansiedlungen. Dort erfüllte sie ihre Funktion als schattenspendender Rastplatz für
Mensch und Vieh.
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Andacht und Gedenken unter Linden |
Flurdenkmäler, wie Kreuze, Marterl oder Totenbretter stellte man oft bei großen
Bäumen auf oder befestigte sie sogar daran. Nicht selten geschah dies an Linden. Waren
es Marienbilder oder
ähnliches,
bezeichnete man den Baum als "Bilderbaum". Auch an Kapellen stehen oft mächtige
Linden. Bilder- und Kapellenbäume stehen nicht selten an Feldwegen, aber auch inmitten
von Wiesen und Feldern. Den Spaziergänger und Wanderer laden diese Bäume heute ein
zu einer kurzen Rast. Neben dem religiösen Sinn hatten sie mit ihrem Blätterdach
aber auch noch einen praktischen Nutzen. Sie boten früher den Feldarbeitern während
der Mittagspause oder bei einem plötzlichen Regenschauer Schutz. Heute in der motorisierten
Zeit hat ein Gewitterregen seine Bedrohung verloren. Auch die Maiandachten in den Kapellen
unter den Lindenbäumen finden heute kaum mehr statt.
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"Berühmte" Blüten |
Beliebt ist das weiche faserlose Holz der Linde bei Bildschnitzern, da es sich hervorragend
bearbeiten läßt. Tilmann Riemenschneider und auch Veit Stoß schnitzten ihre
berühmten Altäre aus diesem Holz. Bekannt sind die Linden jedoch wegen ihrer Blüten.
Wenn die tiefangesetzte Krone nur so voller Blüten strotzt, ist sie ein Tummelplatz für
Insekten. Der ganze Baum scheint dann zu summen. Die honigreichen und wohlriechenden Blüten
duften schon von weitem. Begehrt ist deshalb auch der wohlschmeckende Lindenblütenhonig.
Der Duft, den die Linden ausströmen, soll auch beruhigend auf das Nervensystem einwirken.
Zudem bietet der mit Sauerstoff erfüllte Raum unter dem Blätterdach Entspannung.
Wenn aus den Blüten kleine Nüßchen werden und das Flugblatt abfällt, dreht
es sich wie ein Probeller und sinkt so langsam zu Boden. Unter Linden sollen auch das elektromagnetische
Erdfeld mit seinen massiven Reizen auf den Organismus sowie die unterschiedlichsten Störfelder
aller Art aufgehoben sein.
Im Althochdeutschen bedeutet "lind" sanft, weich oder mild. Genauso mild ist auch
der Geschmack des Lindenblütenhonigs. Die Blüten werden auch zu dem bekannten Lindenblütentee
verarbeitet, der als schweißtreibendes Mittel bei Erkältungskrankheiten angewendet
wird. Sie enthalten neben Schleim, Gerbstoffe,. Ätherischen Ölen und natürlichen
Hormonen noch nicht völlig enträtselte Glykoside.
Text © Walter J.Pilsak