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Märchengestalten des Waldes

Fotojagd auf Pilze


Pilzesammeln ist in vielen Landstrichen schon seit langem ein beliebtes Hobby für alt und jung, das man allerdings mit viel Rücksicht und auch Vorsicht ausüben sollte! Zum einem sind viele Pilzarten mit Schwermetallen angereichert, so dass ihr Verzehr gesundheitlich schon recht bedenklich ist - und zum anderen sind viele Arten vom Aussterben bedroht (ca.30%), so dass allein schon aus diesem Grund der umweltbewusste Naturfreund die Pilze lieber im Wald stehen lässt! Genauso spannend wie das Sammeln kann aber das Bestimmen der verschiedenen Pilzarten sein. Wer einmal damit begonnen hat und nach jedem Waldspaziergang eine neue Pilzart kennen lernt, für den wird dieses neue Hobby fast zu einer Sucht. Aber auch das Fotografieren sowie das Zeichnen und Malen der Pilze kann als Ersatz für das Sammeln - zu einer interessanten Freizeitbeschäftigung werden.


  Hochsaison im Herbst


Vor allem der fotografierende Pilzfreund findet draußen in der Natur ein weites Betätigungsfeld. Und das nicht nur auf dem Waldboden. Auf Baumstrünken, an Bäumen und auf Grasflächen und im Moos gedeihen die lohnenden Motive des Pilzfotografen. Pilze gibt es zwar das ganze Jahr über, doch ist die Hochsaison in den Monaten September bis Oktober. In Pilzreichen Jahren bieten sich hier dem Pilzfotografen Motive in Hülle und Fülle. Nach vorsichtigen Schätzungen gibt es in Deutschland über 6000 Großpilzarten.


Foto rechts: Ein Trupp von Fliegenpilzen wird mit einer Mittelformatkamera sowie einem Bodenstativ fotografiert.


  Welche Kamera?


Hier gibt es eigentlich keine großen Überlegungen. Die idealen Kameratypen, die für diese Motivgruppe in Frage kommen, sind zum einem Spiegelreflexkameras mit Makroobjektiv oder Digitalkameras mit Macroeinstellung. Letztere haben noch den Vorteil, dass sie meist recht klein und handlich sind und wir das Ergebnis schon nach der Aufnahme begutachten können. Welche Marke bzw. Firma man hier in Betracht zieht, ist eher nebensächlich. Mit allen Kameras dieser Klasse sind heute gute Fotos zu erreichen.

Wer nur zur Dokumentation ein Foto des betreffenden Pilzes benötigt, der wird in der Regel in Farbe fotografieren. Auch reicht es aus, wenn wir mit dem Blitz an der Kamera fotografieren und so ein Abbild des Pilzes schaffen. Diese Technik des Fotografierens ist mit den jetzigen Kameras problemlos zu bewältigen, so dass kaum Fehlbelichtungen vorkommen. Allerdings ist es dabei oft nicht zu vermeiden, dass der Hintergrund dunkel wird. Um ein unwiderlegliches Dokument für den gemachten Fund zu machen, reicht ein solches Foto aus.



Foto links: Stockschwämmchen aus der Froschperspektive.


  Wie mache ich sehenswerte Pilzfotos?


Der engagierte und leidenschaftliche Fotoamateur bzw. Fotograf erwartet jedoch von seinen Fotos mehr. Er will zunächst einmal nur ein "schönes" oder zumindest ein "interessantes" Foto. Dabei fotografiert er den Pilz aus verschiedenen Perspektiven. Auch möchte er besonders stimmungsvolle Bilder erhalten. Deswegen wird er versuchen, mit dem vorhandenen Licht auszukommen. Ein Problem ist hier aber der Farbstich, der durch die grüne Umgebung entstehen kann. Wegen der schlechten Lichtverhältnisse ist hier, ebenso wie bei den meisten anderen Waldaufnahmen, ein Stativ oft unentbehrlich. Wenn wir bei Pilzaufnahmen den Blitz nur zum Ausleuchten verwenden, verschwindet der störende Farbstich. Den gleichen Zweck erfüllt ein kleiner Taschenspiegel oder ein Karton, der mit Silber- oder Goldfolie beklebt ist. Letztere verwende ich wegen des warmen Farbtons bei Farbaufnahmen und die Silberfolie bei Schwarzweißfotos. Mit den Aufhellkartons lässt sich das natürliche Licht gezielt zur optimalen Aufhellung nutzen. Besonders bei Gegenlichtaufnahmen sind diese Folien ideal. Wenn man sich diese Kartons selbst bastelt, sollte man sie so machen, dass sie zusammenlegbar sind und somit leicht zu transportieren sind.

Fotos rechts: Oben Exemplare des Schönfußröhrlings und unten der Schatten eines Pilzes hinter einem herbstlich verfäbten Blatt.

Wer besondere Pilzaufnahmen mit nach Hause bringen will, der muss in der Regel mit den Pilzen auf Augenhöhe. Das heißt, er kniet oder liegt neben dem zu fotografierenden Pilz. Besonders interessant sind Pilzaufnahmen aus der Froschperspektive. Ich verwende hierfür an meiner Spiegelreflexkamera einen aufsteckbaren Winkelsucher, in den man von oben hinein sehen kann. Einen solchen gibt es fast für jede handelsübliche Spiegelreflex. Auch viele Digitalkameras haben ein schwenkbares Display. So kann man die Kamera bei Aufnahmen aus der Froschperspektive bequem auf den Boden stellen, ohne irgendwelche artistische Verrenkungsmanöver beim fotografieren ausführen zu müssen. Oft verwende ich auch ein Bodenstativ. Vor allem dann, wenn ich das spärliche natürliche Licht ausnützen will, so dass längere Belichtungszeiten nötig sind. Von den Bodenstativen gibt es verschiedene Ausführungen. Solche mit drei Beinen oder ein Dolchartiges, dass nur in den Boden gesteckt wird. Letzteres verwende ich am liebsten, da es sehr klein ist und deshalb leicht transportiert werden kann.

Fotos rechts: Oben der Hut eines Fliegenpilzes und unten Schwefelköpfe von oben.


  Pilze in Schwarzweiß !

Auch monochrome Pilzaufnahmen, das heißt in Schwarzweiß oder Sepia, sind sehenswert. Bei den meisten Digitalkameras kann man dies schon vor der Aufnahme einstellen. Falls nicht, lassen sich Farbfotos auch am PC mit einem entsprechenden Bildbearbeitungsprogramm in Schwarzweiß oder Sepia umwandeln. Durch die feine Gradation bzw. der Abstufung der in Grautöne übersetzten Helligkeitswerte wirken monochrome Bilder oft plastischer als Farbfotos. Was monochrome Bilder betrifft, erfordern sie jedoch größere Sorgfalt bei der Bildgestaltung. Wirklich gute Fotos dieser Art sind jedoch selten.

Der Spiegelreflexkamerabesitzer muss jedoch den schon fast aus der Mode gekommenen Schwarzweißfilm in die Kamera einlegen. Diese fast aussterbende Kunst wird heute nur noch von einer Handvoll Fotografen ausgeübt, was eigentlich schade ist! Dieser Film ist in manchem dem Farbfilm sogar überlegen. Was jedoch unbedingt nötig ist: Man sollte seine Schwarzweiß-Vergrößerungen unbedingt selbst in der Dunkelkammer ausarbeiten. Denn nur so holt man alles aus seinen Schwarzweiß-Negativen heraus.




Foto links: Scheidenstreifling und Geschmückter Gürtelfuß in Schwarzweiß.



Text und Fotografien © Walter J. Pilsak    

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