Naturapotheke Holunderbeerbaum
Für die ländliche Bevölkerung war der "Schwarze Holunder"
eine der wichtigsten Heilpflanzen
Schon seit jeher wurden Heilkräuter von Menschen als Heilmittel verwendet. Das große
Wissen um die Wirkung der verschiedensten Heilkräuter kannte selbst der einfachste Mensch.
Erst in unserer wissenschaftsorientierten Zeit wurde dieses Wissen etwas beiseite geschoben.
Man vertraute mehr auf die Wirkung der chemischen, pharmazeutischen Mittel. Zum Glück
hat man aber wieder erkannt, daß nicht unbedingt bei jeder Erkrankung chemische Präparate
angewandt werden müssen. Vor allem bei leichteren Beschwerden bieten sich unzählige
Heilpflanzen an.
Eine der vielseitigsten Heilpflanzen ist z.B. der "Schwarze Holunder", (Sambucus
Nigra). Dieser 3 bis 8 Meter hohe Baum oder Strauch zählte früher zu den am meist
genützten Baumarten. Alles wurde in Großmutters Zeiten von diesem Baum verwendet.
Ob es nun die Blätter, Blüten, die Rinde oder aber die Früchte waren. Jeder
Teil dieser Pflanze wurde gegen ein anderes Krankheitsleiden als Heilmittel angewendet. Die
Liste der Krankheiten reichte dabei von der Magenverstimmung, Husten, Halsschmerzen, Grippe,
Gelenkrheumatismus, Nierenentzündung, Augenentzündung bis zu Darmkrämpfen und
Ischias. Auf Grund dieser vielseitigen Anwendungsmöglichkeiten wurde der Baum früher
auch als "Herrgottsapotheke" bezeichnet. Für die meisten unserer Großeltern
stellte der "Schwarze Holunder" auf dem Lande deshalb eine vielfältige und billige
Naturapotheke dar. Dies galt vor allem für abgelegene Bauern, die der Baum das ganze Jahr
über mit verschiedenen Heilmitteln versorgte und so in den meisten Fällen den Arzt
ersetzte.
Der "Schwarze Holunder" spielt auch im Aberglauben sowie in den Sagen und Märchen
unseres Volkes eine große Rolle. Er galt in alter Zeit auch als Abwehrmittel gegen Zauberei,
Pestilenz und Hexen. Man glaubte, durch ihn Schutz vor Feuer und Blitzschlag zu erhalten. Aus
diesem Grund pflanzte man den "Schwarzen Holunder" wohl auch meist in die Nähe
von Scheunen.
Text © Walter J.Pilsak