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Wer kennt unsere Namen?

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Bäume in der blattlosen Zeit






Was bieten uns die Laubbäume während der Sommermonate doch für einen schönen und heiteren Anblick! Im Gegensatz dazu erscheinen uns die Nadelbäumen fast düster und ernst. Eigentlich jeder, auch derjenige der ansonsten nichts mit der Natur im Sinn hat, kann in dieser Zeit einige Laubbaumarten identifizieren. Zu diesen allseits bekannten Bäumen zählt z.B. die freundlich erscheinende Birke mit ihrer weißen Rinde. Aber auch die Eiche mit ihren knorrigen Ästen und der borkigen Rinde ist für Laien eine unverwechselbare Erscheinung. Schwieriger wird es dann allerdings im Winter, wenn diese ihr Laub abgeworfen haben. Außer der Birke, die wirklich jeder kennt, wird der größte Teil der Laubbaumarten für die meisten Menschen zu unbekannten, namenlosen Gewächsen.
Doch nur für den uninteressierten Spaziergänger sehen sich Laubbäume in der blattlosen Zeit ähnlich wie ein Ei dem anderen. Das wichtigste Erkennungszeichen, die Blätter - an dem man sie erkennen kann - haben die Bäume aus Überlebensgründen zwar abgeworfen. Beim genaueren Hinsehen findet man aber immer noch genügend Merkmale, an denen der geübte Naturfreund die Laubgehölzer auch in der kalten Jahreszeit erkennen kann.

Wie im Kleinen so im Großen


Die zwei wichtigsten Merkmale, an denen der Fachmann Laubbäume das ganze Jahr über erkennen kann, sind zum einem die Rinde und zum anderen ihre Wuchsform. Der Botaniker bezeichnet letztere als "Habitus". Bei einigen Baumarten ähnelt die Krone der Form ihrer Blätter, wie z.B. bei der Linde. Hier ist die Krone ebenso wie die Blätter, herzförmig. Auch bei einigen anderen Laubgehölzer heißt die Devise: "Wie im Kleinen so im Großen", wenn ihr Habitus die eigene Blattform nachahmt. Die Krone der Schwarz- bzw. Roterle besitzt eine länglich-eiförmige Gestalt und auch ihre Blätter sind verkehrt eiförmig. Auch bei der Buche verläuft die Krone wie ihre Blätter, nach oben spitz zu. Bei der Stiel- und Sommereiche könnte man mit etwas Fantasie in der unregelmäßigen Krone auch die Form ihrer Blätter wiedererkennen. Unverkennbar ist die schlanke nach oben strebende Krone der Pyramidenpappel. Ihre Blätter sind zwar nicht so schlank, sondern rautenförmig. Doch laufen ihre Blätter ebenfalls spitzig, nach vorne strebend aus. Wenn man die gelappten Blätter des Ahorn grob umreißt, sind sie proportional gesehen ebenso breit wie seine Krone. Das dumme ist nur, daß während der Wintermonate keine Blätter an den Bäumen sind und ein Vergleich Habitus, Blatt deshalb nicht möglich ist. Zum Trost sei aber gesagt, daß diese Methode doch weniger zum identifizieren geeignet ist, da letztendlich bei den meisten Laubgehölzer viel Fantasie dazu gehört, um in der Form der Blätter auch den Habitus des gesamten Baumes erkennen zu können!

Rinde, die Haut der Bäume


Ein sicheres Merkmal, zumindest bei einigen Bäumen, ist die Rinde. Neben der schon genannten Birke, deren unverkennbaren Rinde vorallem bei älteren Exemplaren weiß glänzend ist, erkennt man unseren häufigsten einheimischen Laubbaum, die Buche, sehr leicht an seiner glatten, silber- bis aschgrauen Rinde. Ein Buchenwald mit ausgewachsenen Exemplaren wirkt deshalb auch besonders majestätisch. Manche haben einen solchen schon mit einem Dom verglichen. Da die Buchenrinde besonders glatt ist, schnitzen vorallem in alte, einzeln stehende Exemplare schon seit undenklichen Zeiten, Liebende gerne ihre Initialien mit schmückenden Beiwerk hinein.
Ein leichtes ist es, die Robinie während der Sommermonate zu identifizieren. Ihre Schmetterlingsblüten und die Blätter - ähnlich wie beim Vogelbeerbaum, nur mehr oval - sind unverkennbare Merkmale. Im Winter ist es dann die tiefrissige Borke, ähnlich wie bei der Eiche, an der man die Scheinakazie, wie man diesen Baum auch nennt, erkennt. Ausgewachsene Exemplare des Berg-Ahorn haben eine rosabraune, rissige Rinde die in großen Schuppen abblättert. Und auch die Rinde des Spitz-Ahorn ist netzartig zerrissen mit senkrechten Furchen. Aber auch die Rinde der anderen hier nicht genannten Bäume hat spezifische Merkmale, an denen man sie genau identifizieren kann.

Die Blätter der Bäume


Ein Kinderspiel ist es, die bekanntesten Laubbäume während der Sommermonate zu erkennen. Es sind die Blätter, an denen man sie erkennt und die sozusagen das Paßfoto im Erkennungspaß der Bäume sind. Die selten gewordene Ulme etwa, erkennt man an ihren unsymmetrischen Blättern. Unverkennbar sind auch die fünflappigen Blätter des Ahorn. Auch die spiralig stehend, gelappten Blätter der Eiche kennt jeder. Oft sind die schon abgestorbenen Blätter noch im Winter an den Ästen. Ebenso sind die typisch herzförmigen Blätter der Winter- und Sommerlinde kaum mit einer anderen Art zu verwechseln. An ihrem ständigen zittern, selbst bei geringster Luftbewegung erkennt man die eiförmigen Blätter der Zitterpappel, Espe oder Aspe. Nicht von ungefähr heißt deshalb ein bekannter Spruch: "Zittern wie Espenlaub". Das Laub der Silber- und Weißpappel ist auf der Unterseite weißfilzig, was schon von weitem gut zu erkennen ist. Ein Baum, der nie verwechselt werden kann, ist die Roßkastanie. Ob es seine Blüten, Blätter oder seine Früchte, die Kastanien sind - an jedem dieser drei genannten Merkmale ist der Baum zu erkennen.
Wer etwas unbekanntere Bäume anhand ihrer Blätter identifizieren will, sollte allerdings auch auf Kleinigkeiten achten, wie etwa auf die Verzweigung der Blattnerven oder die Beschaffenheit des Blattrandes. Letzterer kann glatt, gewellt gebuchtet oder gezähnt sein. Wichtig ist auch die Länge und Dicke des Stieles. Eine große Hilfe für den Anfänger sind hier Bestimmungsbücher. Vorallem kleine, in die Hosentasche einsteckbare, wie der von Gräfe und Unzer sind für den Spaziergänger ideal. Wer Bäume mit Hilfe eines solchen Hilfsmittels das ganze Jahr über beobachtet, wird dann bald keine Schwierigkeiten mehr haben, um Laubbäume auch in der blattlosen Zeit voneinander unterscheiden zu können.


Text © Walter J.Pilsak

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