Lebensraum Wald
Wald - was bedeutet dieses kurze Wort nicht alles! Für unseren Planeten und der darauf
wohnenden Menschheit verkörpert es Sauerstoff und Leben. Für den einzelnen Menschen
selbst ist der Wald ein Ort der Erholung und Entspannung sowie ein wichtiger Rohstofflieferant.
Und für die darin wohnende Tierwelt ist er ganz einfach der Lebensraum, von dem sie abhängig
ist. Dieses kleine Wort "Wald" hat also eine ungemein große und wichtige Bedeutung
für uns alle. Der Wald ist ein besonderer Lebensraum. Er ist die komplizierteste und mächtigste
Erscheinungsform, die das Leben auf der Erde hervorgebracht hat. Dabei ist es natürlich
ein großer Unterschied, von welchem Wald wir sprechen; denn Wald ist nicht gleich Wald!
Die Holzplantagen, wie sie in diesem Jahrhundert angepflanzt wurden, sind artenarm an Pflanzen
und Tieren. Dies gilt in besonderem Maße für Vögel. Meist sind diese Fichtenbestände
nur vereinzelt mit Lärchen, Vogelbeere und einigen wenigen anderen Baumarten aufgelockert.
Obwohl diese Wirtschaftswälder immer noch von vielen Forstwirten sehr geschätzt werden,
verdienen sie kaum die Bezeichnung Wald im herkömmlichen Sinn. Schon dadurch, daß
die Bäume Reihe an Reihe aneinanderstehen und dadurch kein Licht auf den Boden fällt,
kann sich darin kein vielfältiges Leben entwickeln.
Auch die Böden eines Nadelwaldes sind ganz anders beschaffen als die eines Laub- oder
Mischwaldes. Während in letzteren die im Herbst abgeworfenen Blätter sehr schnell
verrotten, bildet sich auf dem Boden eines Nadelwaldes eine dicke Nadelschicht die oft bis
zu 20 cm und noch stärker werden kann. Sie wird auch nur sehr langsam abgebaut. Diese
Streuschicht ist das charakteristische Erscheinungsbild eines Nadelwaldes. Im Gegensatz zu
Laubwaldböden sind hier aufgrund der Versauerung und Stickstoffarmut auch keine Regenwürmer
und Schnecken vertreten. Trotzdem wird auch im Nadelwald alles anfallende tote Material vom
Holz über die Nadeln bis zu Tierkadavern von den verschiedensten Kleinlebewesen abgebaut
und dem Boden in Form von Mineralsalzen wieder zugeführt. Es gibt also auch in diesem
Ökosystem - wie überall in der Natur - keinen Abfall.
Die verschiedenen
Stockwerke eines Laub- und Mischwaldes
Ganz anders dagegen der Mischwald oder reine Laubwald. Hier gibt es die unterschiedlichsten
Waldgesellschaften. Ob es jetzt Fichten-Buchenwälder, Eichen-Buchenwälder oder reine
Buchenwälder sind. In allen ssist die Pflanzenvielfalt und der Tierreichtum ungemein groß.
Jeder Wald, vor allem Laub- und Mischwald, setzt sich aus mehreren Stockwerken zusammen. So
wie in einem Hochhaus jede Etage oft einer anderen Nutzung zufällt, so leben auch in einem
wald je nach Etage, andere Tier- und Pflanzenarten. Trotzdem ist aber ein reger Austausch zwischen
diesen verschiedenen lebensräumen gegeben. Sie sind in einem ökologischen Kreislauf
miteinander verbunden und bilden ein vernetztes System. Die Zahl an Vogelarten ist z.B. in
Wäldern mit mehreren Etagen am häufigsten, während in eintönigen Fichtenplantagen,
in denen der Wald nur eine Kronschicht und einen Stammraum hat, am geringsten ist.
Die Kronen der hohen Bäume (ca. 35 bis 40 m) bilden das oberste Stockwerk. Es ist zugleich
auch das Dach des Waldes. Die nächste Etage wird dann von dem Baumbestand gebildet, der
eine geringere Höhe (15 bis 25 m) erreicht. Es sind Baumarten wie die Eberesche oder Hainbuche.
Sie bilden im Wald auch eine einheitliche Zone. Das vorletzte Stockwerk ist dann die Strauchschicht,
die eine Höhe von etwa 5 Metern erreicht. Man bezeichnet sie auch als Unterholz. Je nach
Waldart sind dies Faulbaum, Hasel, Holunder oder Wacholder. Das Erdgeschoß ist dann der
Waldboden mit seinen Moosen, Pilzen und Gräsern bis zu einer Höhe von 20 cm. Hier
ist die lebensvielfalt an Pflanzen und Tieren am größten. Aber auch der Boden selbst
ist noch einmal unterteilt in die Humusauflage, den Oberboden und den Unterboden.
In einem Buchenwald leben etwa 7.000 Tierarten. Von diesen sind mehr als 5.000 Insekten und
nur etwa 100 zählen zu den Wirbeltieren. Da in einem Wald, im Gegensatz zur landläufigen
Meinung, nur weniges für die Tiere freßbar ist, herrscht immer ein gewisser Mangel
an Nahrung. Vieles ist nämlich unverdaulich, giftig, verholzt, mit Dornen oder Stacheln
bewehrt oder hoch oben in den Bäumen unerreichbar. Tiere, die über dem Boden leben,
zehren deshalb von einer schmalen Ernährungsbasis.
Der Mischwald als
Vogelparadies
In den verschiedenen Etagen der Mischwälder haben die Vögel ihren Lebensraum. Hier
finden sie im Gegensatz zu reinen Fichten- oder Kiefernwäldern unzählige Nistmöglichkeitn.
Hier sei nur das Beispiel Buchenwald aufgeführt: Am Boden finden Arten wie die Amsel,
Singdrossel, Rotkehlchen, Buchfink und Hekenbraunelle ihre Nahrung. In der nächsten Etage,
der Strauchschicht sind Gelbspötter sowie Garten-, Dorn- und Mönchsgrasmücke
zu Hause. Die Stämme wiederum sind Nahrungsgrundlage für Buntspecht, Kleiber, Waldbaumläufer,
Zaunkönig und Gartenbaumläufer. Insektenfresser, die vorwiegend auf Zweigen und Ästen
nach Nahrung suchen, sind Sumpfmeise, Blaumeise und Kohlmeise. In den Baumkronen suchen Zilpzalp,
Fitis, Waldlaubsänger und Wintergoldhähnchen nach Insekten und die Grünlinge
nach Samen. In der Luft dann, sozusagen als fliegenschnappende Arten sind Gartenrotschwanz,
Gras- und Trauerfliegenschnäpper bekannt. Überall zu Hause sind als Allesfresser
die Ringeltaube, Kernbeißer, Hohltaube, Pirol und Eichelhäher. Zu guter Letzt seien
noch Waldkautz, Sperber und Rabenkrähe genannt.
Text © Walter J.Pilsak