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Markante Baumgesichter werden rar




Der Baum ist ein charakteristisches Einzelwesen, voller Wunder und Geheimnisse. Viele sehen in ihm jedoch nur seine Funktion als Sauerstoffspender und Holzlieferant. Bäume sind aber auch Träger starker Emotionen. Sie spielen in der Literatur, Brauchtum, in der Sagenwelt und Mythologie eines jeden Volkes die beherrschende Rolle. Angesichts des Waldsterbens und den sich daraus ergebenden ökologischen und ökonomischen Auswirkungen, benötigen gerade Bäume unseren Schutz.

Wo sind sie geblieben, die alten Patriarchen mit ihren vernarbten Gesichtern? Sie werden immer seltener, die flechtenumrankten Einzelgänger, moosbewachsenen Recken oder vom Blitz gezeichneten Baumriesen. Alle sind sie vom Schicksal gebeutelt. Ihre Rinden haben sich zu leidenden Gesichtern umgebildet. Jahrhundertelang hielten sie Wind und Wetter stand, Sie überlebten Dutzende von Menschengenerationen, überstanden Kriege und andere weltbewegende Ereignisse. Der Zerstörungsgewalt des Menschen, der sie in unserem technischen Zeitalter mit Giften, Beton und Asphalt traktiert, haben 5sie jedoch nichts entgegenzusetzen. Hilflos sind die sonst so mächtig erscheinenden Veteranen diesen Anfeindungen ausgeliefert. Da die meisten dieser jahrhundertealten Bäume an vielbefahrenen Straßen stehen, scheinen ihre Tage gezählt zu sein! Nur wenige werden deshalb das 21. Jahrhundert erleben, wenn wir ihnen nicht unseren Schutz angedeihen lassen.

Bäume können ein enormes Alter erreichen. Eine Linde wird, wenn man sie wachsen läßt, bis zu 500 Jahre alt. Eichen können bis zu 800 Jahre alt werden und Eiben sogar 1000 bis 2000 Jahre. Doch in der heutigen Forstwirtschaft hat ein Baum nicht mehr die Möglichkeit, alt zu werden, da er zuvor aus wirtschaftlichen Gründen gefällt wird. Die Chance, ein Greis zu werden, ist also für den einzelnen Baum sehr gering.

Schutz für alte Bäume


Noch immer verschwinden jedes Jahr lautlos alte Bäume. Sie fallen den Städte- und Landschaftsplanern zum Opfer. Diesen alten Patriarchen an Plätzen, Orts- und Waldrändern werden wir einmal nachtrauern. Dieter Wieland beschrieb diese Situation in dem Buch "Grün kaputt" wie folgt: "... Ebenso erschreckend und folgenschwer sind die täglichen kleinen Abholzaktionen, mit der Motorsäge, mit dem Schlepper, mit der Raupe. Wo ein Baum nur steht. Überall steht er im Weg. Überall ein Hindernis. Ein Ärgernis. Ein Luxus. Dem Fortschritt im Weg. Den Maschinen im Weg. Der Planung im Weg. Dem Profit im Weg!"

Riesenbuche in Altmugl

Das vor einigen Jahren gegründete Kuratorium "Alte liebenswerte Bäume in Deutschland e.V." ruft deshalb nicht nur Naturschützer dazu auf, Baumpatenschaften für alte Veteranen zu übernehmen. Das Kuratorium, bei dem jeder Mitglied werden kann, saniert mittels Spendengelder alte erhaltenswerte Bäume. Die Hauptdevise heißt: Nicht Bäume ausreißen, sondern sie zu belassen und zu retten." Jeder, dem alte Bäume etwas bedeuten, ist deshalb aufgerufen, hier mitzuarbeiten. Nähere Informationen dazu erteilt das Kuratorium "Alte liebenswerte Bäume in Deutschland", Wandersmannstr.60, 65205 Wiesbaden.

Markante Baumveteranen

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Das Bild unten zeigt eine dreistämmige Eiche in Hundsbach bei Waldsassen

Was bieten sie doch für einen Anblick, diese mächtigen Baumveteranen. Gar manch einer hätte mehr Respekt und Ehrfurcht vor alten Bäumen, wenn er sich deren Alter bewußt wäre. Was könnten sie uns alles erzählen! Die "Wolframslinde" in Ried bei Kötzting im Bayerischen Wald zum Beispiel ist schon über 1000 Jahre alt. Unter ihr soll schon der Minnesänger Wolfram von Eschenbach gesungen haben, von dem sie auch ihren Namen hat.Allerdings sieht man der Linde dieses Alter an. Sie steht praktisch nur noch auf ihrer Rinde. Hätten sie Baumchirurgen nicht behandelt und abgestützt, wäre sie wahrscheinlich schon zusammengebrochen. Einer der seltensten und schönsten Bäume Bayerns ist die sogenannte "Bavaria Buche" bei Pondorf im Fränkischen Jura. Dieser wohl am meist fotografierteste Baum Deutschlands wird auf ein Alter von 400 Jahren geschätzt. Imposante Baumgestalten sind auch die tausendjährige Linde in
Effeltrich, die Tassilolinde bei Wessobrunnn oder die Kasberger Linde in Franken sowie die Eibe oberhalb von Balderschwang.


Text und Fotos © Walter J.Pilsak

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