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Der hölzerne Nachwuchs

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Die Blüten, Zapfen und Samen unserer Nadelbäume




Würde man die in unseren Wäldern durch Rodung oder Naturkatastrophen entstandenen Kahlflächen sich selbst überlassen, so wüchsen hier im
Laufe der Zeit bald neue Bäumchen heran. Diese würden aus Samen entstehen, die auf natürliche Weise in den Boden gelangt sind. Sei es jetzt durch Windflug oder durch Tiere bei der Nahrungssuche. Doch dieser auf natürliche Weise heranwachsender Wald sähe wahrscheinlich nicht so aus, wie sich ein Förster ihn wünschen würde. Deshalb werden Kahlflächen - ob künstlich oder natürlich entstanden - immer vom Forstmann aufgeforstet.

Foto: Kastanien

Die Jungpflanzen dazu hat er von Baumschulen, in denen aus Samen junge Bäumchen herangezogen werden. Wenn dies auch ein biologischer Prozeß ist, der sich draußen in der Natur ganz von alleine abspielt, so ist in den Pflanzschulen inzwischen daraus regelrecht eine Wissenschaft für sich geworden. In großen leistungsfähigen Anzuchtbetrieben werden mit viel praktischer Erfahrung und Spezialkenntnissen Millionen von jungen Bäumchen aufgezogen. Jedes Jahr sind es in Deutschland zwischen fünfhundert und siebenhundert Millionen, die so ihren Weg vom Pflanzgarten in die Wälder finden. Fast alle Bäume werden aus Samen gezogen. Ausnamen bilden Weide und Pappel, die aus Stecklingen entstehen. Dies sind in den Boden gesteckte kurze Zweigstücke. Zur Anzucht junger Bäumchen wird nur hervorragender Samen verwendet, der auch leistungsfähigen Nachwuchs erwarten läßt.

Wenn der ganze Wald blüht!


Obwohl ein einzelner blühender Nadelbaum wegen seiner unauffälligen Blüten überhaupt nicht auffällt, ist die Blüte für den Wald ein gewaltiger Vorgang. Denn wenn unsere Bäume blühen, dann blüht oft der ganze Wald. Man denke nur an das Frühjahr 1998. Große Wolken von Pollen wurden vom Wind aus den Wäldern geweht und setzten sich überall als feine gelbe Schicht fest - zum Leid vieler Autofahrer und auch Hausfrauen. Es gibt aber auch Jahre in denen kein einziges Pollenkorn zu sehen ist. Warum dies so ist, weiß man nicht genau. Daß Bäume oft kollektiv blühen und fruchten, hängt wahrscheinlich von bestimmten Wetterbedingungen ab, durch die bestimmte Blütenhormone aktiviert werden. Diese Bedingungen - trockenes und warmes Wetter - müssen schon ein Jahr zuvor im Frühsommer zutreffen. Denn der Vorgang der Fruktifikation beginnt ein Jahr vor der Blüte. In dieser Zeit entstehen nämlich schon die Blütenstände die winterfest in Knospen eingepackt werden.


Hat nach der abgeschlossenen Blüte die Bestäubung funktioniert, beginnt die Frucht- und Samenbildung. Hier ist jetzt ein analoger Vergleich zu Säugetieren angebracht. In wenigen Monaten werden aus den befruchteten Eizellen Baumembryos, die solange sie an den Zweigen festsitzen, vom Mutterbaum ernährt werden. Mit der Geburt vergleichbar wäre dann das Abfallen und Abfliegen der Frucht, die oft in großen Mengen auf den Boden fällt. Jede einzelne von ihnen ist oft ein fix und fertig winziges Baumindividium, das gut erkennbar ausgebildete Keimblätter sowie Sproß- und Wurzelansätze besitzt. Beim Abfallen bekommen die kleinen Baumwesen eine Riesenportion Nahrung mit auf den Weg. Dessen Gewicht macht ein Mehrfaches dessen aus, was das Baumembryo selbst auf die Waage bringen würde.

Blüten ohne Blütenblätter


Die Blüten unserer Nadelbäume sind stets ohne Blütenblätter und deshalb auch sehr unscheinbar. Die Nadelbäume sind Nacktsamer (Gymnospermen). Das heißt, der Samen ist nicht von einem Fruchtknoten umgeben, sondern er liegt nackt auf einer Schuppe. Bei Nadelbäumen gibt es niemals männliche als auch weibliche Blüten an einem Blütenstand. Sie sind immer über getrennte Zapfen verteilt. An einem Baum können jedoch männliche sowohl weibliche Blüten auftreten. Ausnahmen sind Arten wie Eibe, Wacholder und Zimmertanne. Da diese nicht wie die anderen Nadelbaumarten einhäusig, sondern zweihäusig sind, haben sämtliche Blüten eines Baumes das gleiche Geschlecht.

Bei den Nadelbäumen sind die Samenanlagen - nicht wie bei den anderen höheren Pflanzen - in einem Fruchtknoten eingeschlossen. Ist der Zapfen reif, verholzen die Samenschuppen und die Deckschuppen. Der Samen liegt jetzt offen zwischen dem verholzten Kegel und den Schuppen. Er kann hier aber auch schon im Boden überwintern, bevor er im nächsten Frühjahr keimt. Einige Arten benötigen nämlich die Winterkälte zur Anregung ihrer Keimungstätigkeit. Da viele Samen geflügelt sind, werden sie durch den Wind verbreitet. Aber auch Tiere, wie das Eichhörnchen, Fichtenkreuzschnabel und andere können bei ihrer Nahrungssuche für die Verbreitung des Samens sorgen.

Nadelbäume an den Zapfen erkennen


Die Zapfen der Nadelbäume sind neben den Nadeln ein gutes Hilfsmittel, um die Baumart sicher zu bestimmen. Jeder hat sicher schon einmal die langen Zapfen der Gemeinen Fichte gesehen,
die nicht wie die der Tanne am Baum bleiben sondern als ganzes herunter fallen. Die Gemeine Kiefer oder Föhre dagegen hat graubraun, matte Zapfen, die nur 3 bis 7 cm lang werden. Die der Seidenkiefer bzw. Weymouths-Kiefer sind mit 10 bis 20 cm Länge fast riesig. Oft sind die erst grünen, dann violetten und im zweiten Jahr braunen Zapfen bananenartig gekrümmt. Die Zapfen der Europäischen- als auch der Japanischen Lärche, die beide in Deutschland heimisch sind, haben eine Länge von 4 cm. Während die Zapfen der erstgenannten Art eiförmig sind, haben die der Japanischen Lärche eine mehr kugelige Form. Ein anderes Unterscheidungsmerkmal sind auch die Zapfenschuppen, die hier im Gegensatz zur anderen Art, am Rande zurückgerollt sind.

Bild oben: Fichtenzapfen

Text © Walter J.Pilsak

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