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"Wer hat dich, du schöner Wald..."

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Das Waldsterben konnte bisher noch nicht gestoppt werden






Die Bekanntgabe der letzten Waldschadenserhebung hat erneut gezeigt, daß das Waldsterben weitergeht. Eines der komplexesten Ökosysteme ist dadurch in größter Gefahr. Aber nicht nur die ausgedehnten Waldbestände sind davon betroffen. Auch Solitärbäume in Parks und Gärten haben ein schweres Dasein. An vielen ist die fortsetzende Verschlechterung ihres Gesundheitszustandes - wenn auch oft nur vom Fachmann - von Jahr zu Jahr zu beobachten. Laien zeigt sich dies noch am deutlichsten erkennbar an der Dichte des Nadel- oder Laubkleides.

Irgend jemand tat einmal den Ausspruch: "Wer langsam stirbt, dem glaubt man nicht." Dieser vielsagende Satz trifft leider auch auf unsere Wälder zu. Doch angesichts der heutigen Situation kann kaum mehr ein Zweifel an der Realität des Waldsterbens bestehen. Wer nur an das so oft praktizierte "Gesundreden" des Waldes glaubt, dem sei eine Autofahrt durch das Erzgebirge empfohlen. Auf dieser wird auch der letzte Zweifler knallhart in die Wirklichkeit zurückgeführt.

Bei Oberwiesental sind auf weiten Flächen des einmal so reich bewaldeten Mittelgebirges die Folgen des Waldsterbens jedem ersichtlich. Baumlose Flächen, auf denen nur noch Gras oder junge, marode Bäumchen wachsen, haben den einst dort stehenden Wald abgelöst.

Der Anblick des nahen, 1244 Meter hohen Berges Klinovec (Foto unten) auf tschechischer Seite ist noch schockierender. Die höchste Erhebung des 40 Kilometer langen Gebirgszuges ist praktisch tot. Wer die steile Straße hinauf zum Gipfel fährt, erlebt "Waldsterben pur". Weit und breit stehen fast nur noch Baumskelette und Baumruinen. Kein einziger gesunder Baum ist mehr zu sehen, dafür als Bodenbewuchs meterhoch die Sauergräser, die jede andere Vegetation überwuchern.

Wer die weite Fahrt zum Erzgebirge scheut, der braucht nur auf die Gipfel unserer Mittelgebirge zu wandern. In den höheren Regionen des Fichtelgebirges und des Bayerischen Waldes tritt das Waldsterben ebenfalls immer deutlicher in den Vordergrund. Selbst der Nicht-Forstmann kann diese Tatsache hier beobachten und feststellen. Es scheint nur noch eine Frage der Zeit zu sein, wann auch diese Mittelgebirge dem heutigen Aussehen des Erzgebirges immer ähnlicher werden.

Die Ursachen des Waldsterbens sind mittlerweile hinreichend bekannt und erforscht. Es handelt sich dabei um eine Komplexkrankheit, an deren Ablauf mehrere Schadensursachen beteiligt sind. In der Gesamtheit ist jedoch die Luftverunreinigung dafür verantwortlich. Es sind inzwischen über 3 000 chemische Verbindungen bekannt, die dafür in Frage kommen. Über die genaue Wirkungsweise und den Schadensverlauf des Waldsterbens sind drei Erklärungen im Umlauf, die alle vom selben Ursachenkomplex ausgehen. Das sind zum einem die Saure-Regen-Hypothese, die Ozon-Hypothese sowie die Streß-Hypothese. Nur ist bis heute noch nicht klar, welche der drei den tatsächlichen Verhältnissen am nächsten kommt.

Das, was sich bei uns vielleicht in den nächsten Jahrzehnten in Form des Waldsterbens anbahnt, könnte eine nationale Kultur-Katastrophe werden. Hier nur einige Auswirkungen, die sich nach Ansicht von Fachleuten als Folge des Waldsterbens einstellen werden: Zu ihnen gehören unter anderem die Gefährdung der Wasserversorgung, die Verminderung der Luftqualität, die Zunahme von Lawinen und Erosionen im Alpenraum sowie Hochwasserkatastrophen.

Die wirksamste Methode, um diese verhängnisvolle Entwicklung zu verlangsamen oder gar zu beenden, besteht in einer weiteren drastischen Herabsetzung der Schadstoff-Emissionen. Sonst ist unsere Generation auf dem besten Weg, sich nicht nur gegenüber ihren Kindern und Enkelkindern zu versündigen.

Schon vor 200 Jahren soll der Prophet des Bayerischen Waldes, Mathias Lang, vom Volk "Mühlhiasl" genannt, eine schicksalhafte Prophezeiung in bezug auf den Zustand unserer Wälder gemacht haben. Neben anderen Voraussagungen, die mittlerweile schon eingetroffen sind, prophezeite er auch: "...Und dann schaut der Wald aus: Er wird Löcher haben wie des Bettelmanns Rock." Ange-sichts der sich draußen in der Natur abspielenden schicksalhaften Vorgängen wie dem "Waldsterben" und anderen sich anbahnenden Veränderungen läßt uns diese Weissagung sehr nachdenklich werden.

Text und Fotos © Walter J.Pilsak

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