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Kalte Füße für unsere Bäume!

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Wie überstehen unsere Bäume und Sträucher den Winter





Bäume sind wie alle anderen Lebewesen und Pflanzen, recht eigenwillig. Sie haben etwas geheimnisvolles und mystisches an sich. Doch nicht allein deshalb faszinieren sie uns so. Wir sind auch auf andere vielfältige Weise mit ihnen verbunden. Deshalb hat wohl jeder von uns in seiner Nähe, rund ums Haus oder im Garten, gerne Bäume und Sträucher stehen!

Von der richtigen Verwendung und dem guten Gedeihen dieser Bäume und Sträucher hängt es
größtenteils ab, ob der Einzelne an seinem Garten Freude hat. Schon immer neigten Gartenbesitzer dazu, nicht nur einheimische, sondern auch "exotische" Gehölze anzubauen. Bereits die Römer brachten Gehölze wie die verschiedenen Steinobst-Arten und Walnüsse nach Mitteleuropa. Um 1900 schätzte man die Anzahl der Gehölzarten, die in Deutschland verwendet wurden, auf 700-800, darunter befanden sich aber nur 100 mitteleuropäische Arten.
Auch wenn es selbstverständlich ist, daß viele fremdländische Gehölze bei uns Heimatrecht haben, müssen wir in besonders kalten Wintern immer wieder mit Anpassungsproblemen rechnen. Oft sind es nicht die Kältegrade, sondern eher die wetterbedingten Begleitumstände, die den "Ausländern" zu schaffen machen. Nehmen wir als Beispiel den Winter 1985 - einen der kältesten dieses Jahrhunderts. Obwohl die Temperaturen auf -250C im Januar sanken, trugen die Gehölze kaum Schaden davon; eine 20-30 cm hohe Schneeschicht schützte sie einigermaßen. Erst als der Februar uns nach einer Tauperiode klares sonniges Wetter mit Kahlfrösten um -200C bescherte, entstanden beträchtliche Frostschäden.
Für ein schadloses Überwintern der Gehölze sind aber auch die Wetterbedingungen vor Eintreffen des Winters maßgebend. Es ist besonders wichtig, daß die Gehölze ihr Triebwachstum gut abschließen können, so daß sie in völligem Ruhestand sind, wenn der erste Schnee fällt. Unerläßlich ist auch genügend Bodenfeuchtigkeit im Herbst. Gehölze, die auf trockenen Standorten überwintern müssen, leiden mehr unter Frost als solche, denen genügend Feuchtigkeit zur Verfügung steht. Tatsächlich gehen viele Gehölze nicht durch Frostschäden zugrunde, sondern eher durch Vertrocknung. Besonders anfällig sind immergrüne Gehölze, die im Winter Wasser an die Luft abgeben. Ist der Boden gefroren, können sie jedoch keine Feuchtigkeit durch die Wurzeln aufnehmen - sie vertrocknen.

Was kann man tun?


Obwohl viele "Fremdlinge" sich durch Auslese und Züchtungen unseren Verhältnissen schon angepaßt haben und die Winter der vergangenen Jahrzehnte nicht mehr so kalt waren, brauchen sie die schützende und pflegende Hand des Menschen, um in Mitteleuropa zu überleben.
Vor allem junge, frisch gepflanzte Gehölze sowie sehr frostempfindliche Arten brauchen einen Winterschutz. Dazu empfiehlt sich die Benutzung einer Mulchdecke aus strohhaltigem Stallmist oder Laub. Bei kleinen Gehölzen wird auch das Umstecken der Triebe mit Fichtenwipfeln oder Abdecken mit Reisig praktiziert. Auch eine Sturmbarriere aus Material wie Stroh kann um die Pflanzen gewickelt werden, um einen gewissen Frostschutz zu bieten. Eine vorbeugende Maßnahme bei Obstbäumen ist ein Stammanstrich. Dieser verhindert, daß die Rinde bei sonnigem, kaltem Wetter aufplatzt.
Falls unsere Gehölze nach einem strengen Winter starke Frostschäden aufweisen, sollten wir sie nicht sofort rigoros zurückschneiden oder gar beseitigen. Fachleute raten dazu, erst einmal abzuwarten, auch wenn die Schützlinge rettungslos verloren scheinen. Solche beschädigten Gehölze treiben in vielen Fällen - wenn auch relativ spät - wieder aus.

Frosthärte einiger Gehölze


Bei den einheimischen Gehölzen werden wir selten Schwierigkeiten mit Frostschäden haben. Schwarze Johannisbeere, Kiefer, Zitterpappel und Zwergbirke vertragen Temperaturen bis unter -450C. Bis -400C können Fichte, Schwarzerle, Erbsenstrauch (Caragana arborescens) und Faulbaum überleben. Bei unserer Buche sind Frostschäden erst ab -300C zu befürchten. Die Winterhärte-Grenze der Kornelkirsche, der japanischen Eibe und des Feldahorns liegt bei -230 bis -260C. Buchsbaum, Walnuß, Eibe und Efeu vertragen Temperaturen bis -200C. Lorbeerkirsche, Atlaszeder und Stechpalme sind empfindlich ab einem Bereich zwischen -120 und -170C, während der Ölbaum (Olea europaea) schon bei -120C zurückfriert. Die Echte Zypresse (Cupressus sempervirens), Immergrüne Magnolie (Magnolia grandiflora), Japanische Hanfpalme (Trachycarpus fortunei) und Chiletannen (Araucaria araucana) sind wegen ihrer geringen Winterhärte ungeeignet für den Anbau in Mitteleuropa.
In der Regel sind die meisten Ziergehölze mit einer größeren Winterhärte gesegnet als die Obstbäume. Dies und die lokalen klimatischen Bedingungen sollten beim Kauf eines Obstgehölzes berücksichtigt werden. Die besten Ansprechpartner in dieser Frage sind die örtlichen Fachberater von den Landratsämtern oder den Gartenbauvereinen sowie fachkundliche Baumschulgärtner, die mit den jeweiligen Boden- und Klimabedingungen vertraut sind.

Die Winterhärtezonen Mitteleuropas


Überregional gesehen haben wir es relativ leicht, die Werte der mittleren jährlichen Minustemperaturen für die Verschiedenen Landstriche zu erfahren. Dazu gibt es eine Karte, in der die verschiedenen mitteleuropäischen Winterhärtezonen für Gehölze eingezeichnet sind. Die darin eingetragenen Werte beruhen auf jahrzehntelangen Aufzeichnungen. Auf dieser Karte befinden sich z.B. weite Teile Österreichs sowie fast ganz Bayern in der Zone "6b" mit durchschnittlichen Tiefsttemperaturen von -17,80 bis -20,90C. In nur wenigen Landstrichen wird es wesentlich kälter: In Hof, Amberg, Rosenheim und Karlshuld. Mit durchschnittlichen Tiefsttemperaturen unter -230C sind dies die kältesten Orte Deutschlands.
Minusgrade bis -17,70C kommen in Nürnberg, München, am Tegernsee, in Buchenau im Bayerischen Wald und entlang der Donau von Regensburg bis Passau vor. Diese Zone zieht sich weiter bis nach Wien sowie über den Großteil von Südwest-Deutschland und durch einen schmalen Korridor bis hinauf nach Kassel.
In West- und Norddeutschland sind die Winter mit -12,30 bis -14,90C milder. Relativ warm haben es die Gebiete im Rheintal, Koblenz, Mainz und Ludwigshafen, die schleswig-holsteinischen und friesischen Küstenregionen, das Gebiet nördlich von Aachen bis zum Rhein sowie im Süden das Bodenseegebiet mit Temperaturen von nur -9,50 bis -12,20C.

Text © Walter J.Pilsak

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