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Untermieter, Schmarotzer

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Was an Bäumen alles wächst!



Ein Baum kann Lebensraum für viele Tierarten, wie Vögel, Eichhörnchen, Insekten, Spinnen und viele weitere Kreaturen sein. Daneben leben aber auch eine Vielzahl von Pflanzen an Bäumen oder sogar von ihnen. Seien es Parasiten wie Baumpilze, Mistel, Teufelszwirn oder auch nur harmlose Moose und Flechten. Auch viele Gallen sind an den Blättern und Ästen zuhause. Wer sich einmal etwas Zeit nimmt und einen Baum oder auch nur seinen Stamm etwas näher betrachtet und untersucht, wird erstaunt sein, was er daran alles finden kann.

Foto: Klebriger Hörnlingx

Ein Doppelwesen aus Alge und Pilz

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Neben den Baumpilzen zählen die Flechten zu den auffälligsten Baumbewohnern. Dies sind "Doppelwesen" die aus einem Pilz und einer Alge bestehen. Diese beiden leben in einer Art Lebensgemeinschaft (Symbiose) zusammen. Der Pilz bildet dabei die äußere zähe Hülle der Flechte. Diese Pilzart zählt zu den Schlauchpilzen, zu denen auch viele Hefe- und Schimmelpilze sowie die Morcheln und Trüffeln gehören. Die Alge selbst sitzt im Inneren der Flechte und besorgt die Assimilation. Sie stellt aus Kohlendioxid und Wasser die Produkte Zucker und Sauerstoff her und ernährt so beide. Dies geschieht selbst noch bei Temperaturen von Minus 20 Grad, was im Pflanzenreich einzigartig ist. Flechten sind ein wichtiger Indikator für Luftverschmutzung. Sie gedeihen nämlich nur dort, wo reine Luft zu finden ist! Manche Arten überstehen die Trockenheit viele Monate. Trotzdem findet man Flechten vor allem dort, wo die Luftfeuchtigkeit wenigstens periodisch hoch ist; das genügt oft schon als Wasserquelle.

Bemooste Baumstämme


Moose, diese blütenlosen Schönheiten unserer Wälder, wachsen nicht nur auf Waldböden und an Holzstrünken. Auch an Bäumen in niederschlagsreichen Gegenden, die der Wetterseite ausgesetzt sind, gedeihen sie mit Vorliebe. Insgesamt gibt es etwa 25.000 Arten von Moosen. Viele Moosarten sind an die verschiedensten Waldgesellschaften gebunden. Auf den Böden wachsen wieder andere Arten, als etwa auf Steinen oder an der Rinde unserer Bäume. Moose sind keine Blütenpflanzen, sondern Sporenpflanzen, denen eine eigentliche Blüte fehlt. Ihre Sporen werden in Kapseln gebildet. Zu den vielen Moosarten, die an unseren Bäumen bzw. deren Rinde gedeihen, zählen das Federchenmoos (PTILIDIUM PULCHERRIMUM), Zweizähniges Kammkelchmoos (LOPHOCOLEA BIDENTATA), Gegabeltes Igelhaubenmoos (METZGERIA FURCATA) oder das Flachblättrige Kratzmoos (RADULA COMPLANATA).

Pilze als Schmarotzer


Vorallem bestimmte Pilze sind es, die als Schmarotzer an Bäumen unserer Wälder oder Gärten gedeihen. Der Forstmann oder Gartenbesitzer sieht diese zwar nicht gerne, doch muß auch er zugeben, daß diese Pilze oft einen märchenhaften Anblick bieten! Einige dieser Parasiten leben zuerst saprophytisch; das heißt, sie beziehen ihre Nahrung aus totem Material, wie Baumstümpfe, tote Blätter oder anderes Substrat. Sie können aber auch an Aststümmeln oder im verwelktem Laub gedeihen. Erst bei günstiger Gelegenheit werden sie zu echten Schmarotzern und dringen in das lebende Gewebe von Bäumen ein. Dies ist der Fall, wenn ein Baum verwundet oder geschwächt ist, wie etwa durch Blitzschlag, Frost, Sturm, nagende Tiere oder durch Menschenhand. Viele Pilze sind dabei auf einen ganz bestimmten Wirt fixiert. Je stärker der Pilz spezialisiert ist, desto mehr ist sein Vorkommen auf einen bestimmten Waldtyp oder eine einzige Holzart spezialisiert. An Birken finden wir etwa den Birkenporling (PIPTOPORUS BETULINUS) oder sogar den selten gewordenen Echten Zunderschwamm (FOMES FOMENTARIUS). Im Buchenwald kann man den Winterporling (POLYPORUS BRUMALIS) oder die Striegelige Tramete (TRAMETES HIRSUTA) finden. Die Fencheltramete (OSMOPORUS ODORATUS) und die Tannentramete (HIRSCHIOPSIS ABIETINUS) schmarotzen, wie schon der Name des letztgenannten Pilzes sagt, an Tannenholz. Einer der gefährlichsten Holzzerstörer ist der Hallimasch (ARMILLARIELLA MELLEA). Dieser häufig vorkommende Pilz wird in einigen Gegenden Deutschlands nach vorheriger Behandlung auch als Speisepilz verwendet. Seine Früchte findet man meist nur im Oktober.
Porlinge verfärben das Holz ihres Wirtes. Baut der Pilz nur die Zellulose ab, entsteht die sogenannte Rotfäule. Verzehrt er dagegen auch das Lignin, so daß das Holz ausbleicht, spricht man von Weißfäule. Durch parasitäre Pilze entstehen im Holz auch bestimmte Musterungen und Verfärbungen, wie das gescheckte Rebhuhnholz oder das malachitgrüne Buchenholz, das früher bei bestimmten Schreinerarbeiten verwendet wurde.

Mistel und Teufelszwirn


Etwa 3000 Arten von Blütenpflanzen leben als Schmarotzer. Dies sind etwa 1% aller Pflanzen. Diese Schmarotzer oder Parasiten beziehen ihre Nahrung aus lebenden Organismen. Ein solcher Schmarotzer, der in den Gipfeln von Laub- und Nadelbäumen gedeiht, ist die Mistel mit ihren weißen Kugelfrüchten. In alten Sagen und Märchen spielt diese immergrüne Pflanze eine große Rolle. Bei den Kelten wurde sie als dämonenabwehrende Pflanze verehrt. Darauf geht in England auch der weihnachtliche Brauch vom "Mistelzweig" zurück. Die Mistel ist eigentlich nur ein Halbschmarotzer. Sie kann in einem gewissen Umfang die Photosynthese selbst betreiben. Andere Schmarotzer, wie die Sommerwurz oder der Teufelszwirn besitzen kein Chlorophyll. Weil sie selbst keine Photosynthese betreiben, sind ihre Blätter zu Schuppen reduziert.

Gallen - Wohnungen von Insekten


Wenn man sich das Laub eines Strauches oder Baumes etwas näher betrachtet, sieht man daran oft kleine runde oder auch linsenförmige oder pustelartige Knöpfchen die gelb, braun oder rot sind. Auch kugelartige Gebilde, die aus Fasern zu bestehen scheinen, entdeckt man manchmal. Diese Gebilde, die im Volksmund auch Schlafäpfel genannt werden, sind alles Gallen. Und dies sind wiederum Wohnstätten winziger Insekten, durch deren Einstich in die Pflanze diese Wucherung ausgelöst wurde. Durch diese Einstiche der Gallwespen wird die Pflanze umprogramiert, so daß diese für das Insekt eine Wohnung mit eigener Nährstoffversorgung produziert. Weltweit sollen etwa 15.000 Organismen Gallen erzeugen können. Besonders auffallende Gallen sind die etwa pfenniggroßen Kugelgallen der Eichengallwespe (CYNIPS QUERCUSFOLII). Im Spätherbst findet man sie oft auf dem Boden unter den Eichen. Auch die struppig aussehende Rosengalle ist ein auffälliges Gebilde, das kaum jemand übersieht.

Foto oben: Stockschwämmchen an einem Baumstumpf

Text und Fotos © Walter J.Pilsak

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