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Bäume und Menschen

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Unser Freund der Baum (1)




Der Baum ist ein charakteristisches Einzelwesen, voller Wunder und Geheimnisse. Viele sehen in ihm jedoch nur seine Funktion als Sauerstoffspender und Holzlieferant. Bäume sind aber auch Träger starker Emotionen. Sie spielen in der Literatur, Brauchtum, in der Sagenwelt und Mythologie eines jeden Volkes die beherrschende Rolle. Angesichts des Waldsterbens und den sich daraus ergebenden ökologischen und ökonomischen Auswirkungen, benötigen gerade Bäume unseren Schutz.

Foto: 300jährige Linde bei Friedenfels

Ein Baum ist ein wahres Wunder der Natur, was seine Leistung anbetrifft. Doch von den chemischen Abläufen, die sich in seinem Inneren abspielen und von seiner Funktion als Sauerstoffspender - zu dem er oft degradiert wird - soll hier nicht die Rede sein. Bäume sind auch Träger starker Emotionen. Bäume spielen in der Literatur, im Brauchtum, in der Sagenwelt und Mythologie eines jeden Volkes die beherrschende Rolle. Der Baum ist sozusagen für die geistige und seelische Entwicklung des Menschen von nicht zu unterschätzender Bedeutung. Der um den Baum kämpfende Mensch des 20.Jahrhunderts ist - ohne es zu wissen - zu einem uralten Symbol, dem "Lebensbaum" zurückgekehrt.

Bäume in der Literatur und im Zitat



Der Baum war schon immer der Inhalt tiefsinniger Zitate.Ein kluger Satz lautet: "In einer Stadt, in der kein Platz mehr ist für Bäume, ist auch kein Platz mehr für Kinder". Der deutsche Naturforscher Alexander von Humboldt meinte über den Baum: "Habt Ehrfurcht vor dem Baum, er ist ein einziges Wunder und euren Vorfahren war er heilig. Die Feindschaft gegen den Baum ist ein Zeichen der Minderwertigkeit eines Volkes und von niederer Gesinnung des Einzelnen".

Foto: 1000jährige Kasberger Linde


Erinnern wir uns an ein Wort von Hermann Hesse, der meint: "Bäume sind Heiligtümer. Wer mit ihnen zu sprechen, wer ihnen zuzuhören weiß, der erfährt die Wahrheit. Sie predigen nicht Lehren und Rezepte, sie predigen, um das Einzelne unbekümmert, das Urgesetz des Lebens". Auch der Philosoph Friedrich Nitzsche widmete sich in seinem Werk: "Also sprach Zarathustra. Ein Buch für alle und Keinen", dem Baum. In diesem spricht Zarathustra zu dem Freiheit suchendem Jüngling: "Aber es ist mit dem Menschen wie mit dem Baume. Je mehr er hinauf in die Höhe und Helle will, um so mehr streben seine Wurzeln erdwärts, ins Dunkel, Tiefe - ins Böse". Und noch eine Huldigung Nitzsches an den Wald: "O selige Stille um mich! O wie sie horcht, diese heilige Stille..! Mit seligen Nüstern atme ich wieder der Berge Freiheit!"

Bäume sind wie Brüder


Aus einer anonymen Schrift aus dem Jahr 1661 zitiert der Psychologe Carl Gustav Jung in seinem Werk "Psychologie und Alchemis":... ich bitte, schau mit den Augen des Geistes das Bäumchen des Weizenkorns an, in Hinsicht aller seiner Umstände, damit du den Baum der Philosophen pflanzen kannst". Einer der die Waldbegeisterung einzigartig schildern konnte, war Eichendorf. Er redete den Wald mit seinen Bäumen an:"Du meiner Lust und Wehen, andächtiger Aufenthalt". Auch folgende Strophe aus einem Gedicht zeugt von der Ehrfurcht und Begeisterung über den Baum. Der Großstadtmensch Erich Kästner schreibt hier: "Die Seele wird vom Pflastertreten krumm. Mit Bäumen kann man wie mit Brüdern reden, und tauscht bei ihnen seine Seele um. Die Wälder schweigen. Doch sie sind nicht stumm. Und wer auch kommen mag, sie trösten jeden".

Als Jacques Rousseau am 20.Mai 1778 den Park von Ermenonville betrat, soll er ausgerufen haben: "Diese Bäume hier sind so frisch. Laßt mich zu ihnen, so nahe ich kann. Ich möchte nicht einen einzigen davon entbehren". Dann zog er sich zurück hinter die Wände aus traumdichten Grün, wo seine Spaziergänge abbrachen. Adalbert Stifter, der in seiner Art den Wald mit seinen Bäumen einzigartig beschreiben konnte, schreibt in seinem Werk "Aus dem Bayerischen Walde": Überall, wo man in den reizenden Gefilden herum geht, und es sind der Wanderwege unzählige, einer lieblicher als der andere, zieht die Würde des Waldes den Blick an sich, und die Gegend, deren Anmut man vielleicht auch anderwärts anträfe, erhält durch diese Würde erst ihre Erhabenheit".

Text © Walter J.Pilsak

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