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Baumblüte in Stadt und Land


Die bunte Blütenpracht des Frühlings




Jeder Frühling ist ein Aufbruch in eine andere Zeit. Die tristen und farblosen Wochen sind dann endlich vorbei. In der Blüte- und Blumenzeit erwacht neues Leben schier über Nacht - und das nicht nur in der Natur sondern auch in uns! Obwohl wir jedes Jahr aufs neue den Frühling erleben, ist er immer wieder einzigartig. Er erscheint uns wie eine Geburt, gleich einem Neuanfang. Doch nur wir, die wir in Breiten leben, in denen uns jedes Jahr die vier verschiedene Jahreszeiten auch unterschiedliche Naturbilder bescheren, wissen wie einzigartig diese Monate sind. Denn, nur wer den Herbst und den Winter kennt und diese beiden Jahreszeiten auch kennengelernt hat, der schätzt den Frühling!

Wenn nach langen Monaten voller Schnee, Eis und Kälte die Bäume sich mit lichtem Grün schmücken und in den Wiesen und Fluren die ersten Blumen erblühen, ist er endlich da, der "Lenz", wie wir den Frühling auch bezeichnen. Es scheint als wäre innerhalb weniger Tage sämtliches Grün explodiert. Die verschiedenen Baumarten schienen um die Wette blühen zu wollen.


Forsythien blühen in den ersten Frühlingstagen in allen Gärten

Mandelblüten


Wann ist Frühling?

Wenn es darum geht, den Frühling zeitlich genau abzugrenzen, kommt man in Schwierigkeiten. Der astronomische Frühling beginnt bei uns vom Zeitpunkt der Tag- und Nachtgleiche bis zum Sonnenhöchststand (21.3 bis 21.6.) In der Phänologie - das ist die Lehre von den jahreszeitlich gebundenen Lebensvorgängen bei Pflanzen und Tieren - fällt der Frühling in die Zeit von der Apfelblüte bis zur Holunderblüte und in der Meteorologie ist der Frühling gleich der Monate März bis Mai.

Startschuss für das Leben

Obwohl die Natur erst im Frühling ergrünt und erblüht, fällt der Startschuss für das neue Leben vor allem bei Bäumen schon viel früher. Schon im Herbst des Vorjahres entstehen in den Knospen die Blätter in ihrer vollständigen Form. Nur sind sie noch etwas kleiner - sozusagen in einem Miniformat. Außerdem sind sie dazu noch raffiniert gefaltet, damit sie in der kleinen Knospe überhaupt Platz haben. Bei vielen einheimischen Laubgehölzern ist es eine mehrfache Querfaltung. Bei den Ahornarten sind die Blätter fächerförmig im Ziehharmonika-Prinzip verpackt und bei Rosen und Steinobst ist es eine einfache Faltung entlang des Hauptnervs. Eichen falten ihre Blätter in einem quer zusammengerollten Zustand. Auch an den Zapfstellen zur Wasserversorgung sind die kleinen Knospen schon angeschlossen.

Nach der Ruhepause des Winters im April oder Mai, wenn die Frühlingssäfte aufsteigen, schwellen die Knospen sichtbar an. Ihr Volumen steigt auf das Acht- bis Zehnfache an. Die Knospen der Rotbuche werden z.B. noch einmal so lang. Wenn dann die Außentemperaturen und auch die Tageslänge den Bäumen zusagt, ist es soweit. Die Blätter sprengen ihre schützende Knospenhülle und entfalten sich. Dies spielt sich innerhalb weniger Tage ab. Einige Blätter, besonders so große wie die der Kastanie, hängen zwar nach dem Austrieb noch etwas schlaff und lappig herab, doch diese anfängliche Haltungsschwäche ist bald verschwunden.

März, April und Mai

Der erste Monat des Frühlings ist der März, dessen Name von dem Gott "Mars" stammt. Schon in den erstenMärztagen locken die wärmenden Sonnenstrahlen das erste Grün ans Tageslicht. Ein launiger Geselle ist dann der April, von dem man sich wünscht, dass er sich
möglichst bald wieder verabschiedet. Während bei den meisten Bäumen erst die Blätter und dann die Blüten erscheinen, ist es beim Kirschbaum umgekehrt. Innerhalb weniger Tage steht er bei günstigen Temperaturen in voller Blüte da. Erst kurz vor Ende oder knapp nach der Blütezeit entfalten sich aus den eiförmigen, zugespitzten und rotbraunen Knospen die Blätter. Noch früher - manchmal schon Ende März - blüht die Salweide. Ihre pelzigen Blüten kennt man unter der Bezeichnung "Palmkätzchen". Sie sind die wichtigste Bienenweide in dieser Zeit. Vor den Blättern erscheinen auch bei der Zitterpappel die Blüten.

In unseren Gärten blüht als erster Strauch die Forsythie. Ihre leuchtend gelben Blüten vermitteln uns eine erste Vorahnung vom herannahenden Frühling. Doch wenn die Blütenpracht zu früh im Jahr erscheint, besteht die Gefahr, dass Nachtfröste die Pracht und damit die zu erwartende Ernte dezimieren. Ein alter Wetterspruch lautet deshalb auch: "Märzenblüte ist nicht gut, Aprilblüte ist halb gut, Maienblüte ist ganz gut."

Nicht nur die Zeit der Liebenden ist der Wonnemonat Mai. In diesen Tagen erfolgt in der Natur auch die größte Wachstumsphase. Seinen Namen erhielt dieser Monat nach dem Wachstum bringenden römischen Gott Jupiter Mainus. Und in der Tat ist innerhalb weniger Tage die Natur im prächtigsten "Grün". Viele Wiesen strahlen eine Lebensfreude aus, der sich selbst der Trübsinnigste nicht entziehen kann. Auch die meisten Obstbäume erblühen nun in voller Pracht und bieten so einen reich gedeckten Tisch für Bienen.

Nachzügler Winterlinde

Nachdem im Juni auch Ahorn, Robinie, Sommerlinde und die meisten anderen Laubbäume verblüht sind, folgt im Juli als Nachzügler die Winter-Linde. Sie ist wahrscheinlich der letzte blühende Baum im Jahresablauf.

Von den vielen blühenden Bäumen und Sträuchern unserer Heimat gibt es einige, deren auffallende Blüten nicht zu übersehen sind. Andere wiederum, wie etwa die Nadelbäume blühen recht unscheinbar, da ihre Blüten aufgrund der fehlenden Blütenblätter kaum zu sehen sind. Die auffälligsten und größten Blüten hat wohl unsere Rosskastanie, die aus vielen Biergärten Bayerns nicht wegzudenken ist. Auch der Schwarze Holunder sowie die Eberesche, bekannter unter dem Namen Vogelbeerbaum, haben schon von weitem sichtbare Blütendolden.


Barbarazweige und Palmkätzchen

Baumblüten haben auch in unserem Brauchtum eine gewisse Bedeutung. Am 4.Dezember, am Barbaratag, ist es vielerorts der Brauch, dass man Kirsch- oder Kastanienzweige abschneidet, um sie in eine Vase zu stellen. Eine alte Bauernregel für diesen Tag lautet deshalb auch: "St.Barbara soll Blütenknospen zeigen." Diese blühen dann drei Wochen später zur Weihnachtszeit auf. Auch um die Weidenblüten, die sogenannten Palmzweige, haben sich um den Palmsonntag herum verschiedene Bräuche bis heute erhalten.

Baumblüten als Heilpflanze

Die Blüten einiger Baumarten dienen seit altersher schon als Heilpflanzen. Von den heimischen Arten ist der schweißtreibende Lindenblütentee heute noch am bekanntesten. Standen früher die Linden in voller Blüte, war es die Großmutter, die daran ging, die Blüten einzusammeln, um sie auf einem Blech im Schatten zu trocknen. Angewendet wurde der Tee bei Schnupfen, rauem Hals und bei Grippe. Da er sehr stark wirkt, war er einst die Medizin für Erkältungskrankheiten schlechthin. In unserer Zeit wird er leider nur noch von wenigen angewendet. Früher verwendete man Lindenblütentee auch gegen Bleichsucht (Eisenmangelanämie).

Nicht wegzudenken in der Naturheilkunde sind auch die Blüten des Weißdorns. Sie werden angewendet bei Kreislaufstörungen, hohem Blutdruck, nervösen Herzstörungen und allgemeinen Erschöpfungszuständen. Im Gegensatz zu Lindenblütentee eignet sich dieser auch für längere Anwendungen. Wie wirkungsvoll der Weißdorn wirkt, sehen wir auch daran, dass mittlerweile Dutzende von Arzneimitteln auf dem Markt sind, die Tinkturen und Extrakte dieser Pflanze enthalten.

Gichtbaum

Eine wirkungsvolle Heilpflanze ist auch die Rosskastanie, die bei uns erst seit über 400 Jahren heimisch ist. Nachdem man herausfand, dass ein Absud der Blüten oder ein Blütengeist ein wirksames Einreibungsmittel bei Rheuma und Gicht ist, nannte man sie "Gichtbaum". Nur noch wenige wissen, dass auch die Blüten der Eberesche als Heilpflanze verwendet wurden. Vor allem bei schwerem Husten oder einer akuten Lungenentzündung bereitete man aus frisch gepflückten Blüten einen Tee. Ebenso wurden die Blüten der Schlehe in manchen Teilen Bayerns bei Schwitzkuren und als mildes Abführmittel verwendet. Schlehenblüten sagt man auch magische Heilkräfte nach.

Text und Fotos © Walter J.Pilsak

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