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Wünschelrute und Palmkätzchen x |
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Die Weide in Brauchtum, Aberglauben und der Arbeitswelt |
Die Weiden (Salix) sind in Europa mit etwa 40 Arten und zahlreichen Kreuzungen verbreitet.
Wir werden auf sie meist erst aufmerksam, wenn wir im Vorfrühling auf Spaziergängen
ihre hübschen
Blüten,
die Kätzchen sehen. Im christlichen Brauchtum spielen diese am Palmsonntag eine große
Rolle. An diesem Tag, der uns an den Einzug Christi in Jerusalem erinnert, steht im Mittelpunkt
der Festfeier die Weihe der Palmen. Bei uns werden ersatzweise dafür meist Weidenkätzchen
genommen, deshalb auch der Name "Palmkätzchen"! Sie werden mit grünem Beiwerk
zu kleinen Kränzen, Herzen, Kreuzen oder zu langen Kolben gebunden. Verschiedenerorts
werden die Weidenzweige auch an lange Stecken gebunden, und so von jungen Burschen in die Kirche
getragen. Diesen geweihten "Palmzweigen" sprach man besondere Segenskräfte zur
Abwehr von Krankheiten und Unwetter zu. Deshalb bewahrte man das Palmgebinde zuhause sorgfältig
auf. Meist kamen sie in den Hergottswinkel und wurden am Kruzifix aufgesteckt. Daneben schlich
sich natürlich auch noch mancher Aberglaube ein. Wer am Palmsonntag einige Palmkätzchen
schluckte, der war das ganze Jahr über von Halskrankheiten geschützt. Auch dem Vieh
gab man gerne einige Handvoll Palmkätzchen in das Futter, damit es gegen Hexen und Druden
geschützt war. Und wenn im Sommer ein starkes Gewitter aufzog, warf man einen Palmzweig
in das Herdfeuer. Um Wetterschäden zu vermeiden, steckt der Bauer auch heute noch an drei
oder vier Seiten des Feldes einen Palmzweig in die Erde.
So alt und ehrwürdig diese Bräuche auch sind, so verständlich ist es deshalb
auch, einen Strauß aus "Palmkätzchen" zu pflücken! Aus Rücksicht
auf die Bienen sollten wir jedoch blühende Weidenzweige nur in geringen Mengen und dann
auch nur im eigenen Garten abschneiden. Denn für die Bienen ist der Blütenstaub der
Weidenkätzchen nach der Winterruhe die nahezu einzige Nahrungsquelle.
Die Weiden sind übrigens vielseitig verwendbar. Die Rinde der Silberweide (S.alba) wird
in der Weißgerberei zur Herstellung des "russischen Juchtenleders" und des
"dänischen Handschuhleders" verwendet. Mit der Salweide (Salix caprea) eng verbunden
ist die Entwicklung eines weltbekannten Medikaments: Aus deren Rinde wurde früher Salycil
als Fiebermittel gewonnen. Diesen Stoff entdeckte 1763 der Engländer Stope. 1829 gewann
dann ein französischer Apotheker das Extrakt Salicinin daraus. 1853 untersuchte der deutsche
Karl Gerhard das Salicinin und stellte daraus das fiebersenkende und schmerzstillende Aspirin
her. Dieses brachte 1899 Adolf Bayer in den Handel.
Aus dem Holz der Bruchweide (S.fragilis), das besonders weich und leicht ist, fertigte man
unter anderem Holzschuhe und Prothesen. Die Weide liefert übrigens neben Haselstrauch
und Birke die besten Wünschelruten. Aus Weidenholz stellt man auch Fußböden
her, die splitterfest sein sollen; ebenso Bremsklötze für Schachtförderanlagen,
da die Entzündbarkeit durch Reibung gering ist. Eine früher oft genützte Art
ist auch die "Korbweide" (S.nigricans). Ihre biegsamen, dünnen Zweige wurden
zum Flechten von Körben verwendet. Aber auch die schon erwähnte Silberweide wurde
zur Gewinnung von Ruten oft gestutzt. Dadurch entstanden dann die knorrigen Kopfweiden, die
innen hohl wurden. Im Volksglauben brachte man sie mit unheimlichen Geistern und Hexen in Verbindung.
Alten Erzählungen zufolge sollen die Hexen als schöne Mädchen in den hohlen
Weiden verschwinden, um dann als fauchende Katzen wieder herauszuspringen.
Text © Walter J.Pilsak