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Holzgeschichten aus
Ostbayern
Als vorwiegend noch mit Holz geheizt wurde
Holz war in den Jahren nach dem 2.Weltkrieg lebenswichtig. Jeder, der die
Möglichkeit hatte,
ging in dieser Zeit in die Wälder um daraus Brennholz zu holen. Vorausgesetzt, er wohnte
in Waldnähe. Wer diesen Vorteil nicht hatte, musste sein Brennmaterial teuer einkaufen.
Das Heizen mit Gas, Heizöl oder Elektrizität war damals noch kaum verbreitet und
für den Großteil der Bevölkerung auch unerschwinglich. Das gleiche galt gewissermaßen
auch für Steinkohle und Braunkohle. Diese wurde nur in geringen Mengen gekauft. Überwiegend
heizte man mit Holz. Dementsprechend sahen die Wälder in Bayern und auch anderswo, aus.
Sie waren in der Regel total leergefegt. Man fand oft nicht einmal ein dürres Ästchen.
Wer aus dem Wald Holz holen wollte, brauchte zudem eine Genehmigung vom zuständigen Forstamt
in Form eines Holzscheines. Mit diesem konnte man dann eine bestimmte Menge dürres Holz
aus einem eng begrenzten Waldstück holen, das einem vom Förster zugewiesen wurde.
Einen großen Vorteil hatte da derjenige, der - so wie Sepp - im waldreichen Ostbayern
wohnte. Dieser war von Beruf Schreiner und hatte schon deshalb zu diesem Stoff ein besonderes
Verhältnis. In seiner Freizeit war er gezwungenermaßen, wie so viele andere auch,
ein leidenschaftlicher Waldgänger, immer auf der Suche nach dürrem Holz in Form von
Ästen oder Bäumen. Da er in einer Firma im Schichtdienst beschäftigt war und
deshalb sehr oft schon um 14 Uhr Feierabend hatte, blieb ihm an den Nachmittagen meist noch
Zeit, um aus dem Wald Holz zu holen. Manchmal war auch seine Ehefrau, die Gretl mit dabei und
so fuhren sie zu zweit mit einem Leiterwägelchen in den nahen Wald. Auch Wenzel, der Vater
von Sepp, der schon auf die 70 zuging, beteiligte sich sehr oft an dieser schweißtreibenden
Arbeit.
Da - wie schon gesagt - man in den Wäldern kaum dürres und brennbares Holz fand,
legten sie nicht selten eine Strecke von 5 bis 10 Kilometern zurück. Und dies meist auf
schlechten Waldwegen. Vorne zog Sepp den Wagen und hinten schoben sein Vater und seine Ehefrau
mit aller Kraft an.
Baumstümpfe ausgraben
Wenn überhaupt nichts zu finden war, gruben sie Holzstrünke aus. Dies war eine besonders
anstrengende Schinderei. Bis nur ein einziger Baumstumpf ausgegraben war, floss der Schweiß
schon in Strömen. Zuhause wurden diese dann meterhoch aufgeschichtet und nach und nach
zerkleinert. Diese Arbeit mit Axt und Säge war noch einmal die gleiche Plackerei wie vorher
im Wald. Gebrannt hatte das Holz der Strünke jedoch sehr gut. Besonders die Baumstümpfe
der Kiefern enthielten oft das sogenannte Kienholz. Dieses stark duftende Holz von rotgelber
Farbe enthält viel Harz und brennt deshalb sehr gut. Dieses ist auch ideal zum Anzünden.
Man spaltete das Kienholz in ganz schmale Scheite und hob es deshalb auf zum Feuer anmachen.
Schikane eines Forstbeamten
Selbst wer in dieser Zeit mit einem Erlaubnisschein des Forstamtes im Wald war, musste immer
auf der Hut sein, damit er keinem Förster begegnete. Denn, hatte man ein etwas zu größeres
Stück von einem Baumstamm dabei, gab es schon Schwierigkeiten. Einmal fuhr mit dem Ehepaar
auch der Freund und Arbeitskollege Hans mit. Dieses mal hatten sie jedoch als Transportmittel
Fahrräder dabei. Nachdem eine gewisse Zeit verstrichen war, hatten sie ihre Säcke
mit dürren Ästchen, Fichtenzapfen und anderem Kleinholz gerappelt voll zum platzen
gefüllt. Mit diesen prallen Säcken auf dem Gepäckträger, schoben sie dann
ihre Fahrräder mühsam aus dem Wald hinaus. Eben wollten sie sich auf der hier vorbeiführenden
Asphaltstraße auf den Heimweg machen, als sich ihnen eine grün gekleidete Gestalt
in den Weg stellte. Es war der für dieses Waldstück zuständige Förster.
Als dieser fragte, was sie in den Säcken hätten, entgegnete Hans im barschen Ton:
"Was soll ich da schon haben! Nur Holz!". Daraufhin ließ er ihm den Sack ausleeren.
Das Ehepaar hatte mehr Glück. Der Förster fragte sie zwar auch, was sie in den Säcken
hätten. Als sie ihm jedoch im normalen Umgangston antworteten, gab er sich damit zufrieden.
Währenddessen durfte der Leidtragende leise fluchend seinen Sack mit dem auf dem Boden
liegenden Holz wieder füllen.
Ein andermal war Sepp mit seinem Leiterwägelchen allein im Wald unterwegs. Als er genug
Holz darauf geschichtet hatte, fing es schon zu dämmern an. Zu dieser Zeit durfte man
sich jedoch nach Einbruch der Dämmerung nicht mehr in den Wäldern aufhalten. So beeilte
er sich, um hinaus auf die Asphaltstraße zu kommen. Als er an einem Hochsitz vorbei kam,
sah er, dass darauf der ihm schon bekannte Forstbeamte saß, um auf die Jagd zu gehen.
Da dieser wegen seiner Arroganz und Boshaftigkeit weitum bekannt war, erwartete Sepp schon
eine Ermahnung bzw. eine Überprüfung seiner kleinen Holzladung auf dem Leiterwägelchen.
Doch nichts von dem geschah. Der Förster blickte ihn nur schweigend grimmig an, während
dieser versuchte, mit seinem Wägelchen schnellstmöglich aus dessen Blickwinkel zu
gelangen.
Holzwettbewerb unter den Nachbarn
Auch die Nachbarn von Sepp holten ihr Holz eigenhändig aus den Wäldern. Hatte einmal
einer von
ihnen
etwas mehr oder auch schöneres Holz zuhause aufgeschichtet, war man ihm schon neidisch.
Auch Wenzel, der als Witwer allein lebte und deshalb sehr viel Zeit in seiner Wohnung am Fenster
sitzend verbrachte, hatte immer die am Haus vorbeiführende Straße im Blickfeld.
Er war deshalb immer darüber informiert, wer von den Nachbarn gerade Brennholz aus dem
Wald holte.
Als wieder einmal ein Nachbar, der im gleichen Alter wie Wenzel war, mit einem schwer beladenem
Wagen Holz vorbeifuhr, hielt er es zuhause nicht mehr aus. Er berichtete dies sofort seinem
Sohn Sepp und die beiden fuhren sogleich in das gleiche Waldstück um Brennholz zu suchen.
Da die beiden wussten, dass der betreffende Nachbar dieses Waldstück für seine Brennholzsuche
immer für sich beanspruchte, warteten sie schon darauf, dass dieser bald erscheinen würde.
Und tatsächlich dauerte es auch nicht lange und der Nachbar war wieder da. Er sagte zwar
nichts, drehte aber in einem gewissen Abstand von 20 bis 30 Metern um Sepp und Wenzel immer
seine Runden, als wenn er sagen wollte: "Verschwindet hier endlich, dass ist mein Revier!"
Kostenloser Weihnachtsbaum
Auch der Weihnachtsbaum wurde früher nur aus dem Wald geholt. Schon Wochen vor dem Fest
hielt Sepp im nahen Wald Ausschau nach einem geeigneten Fichtenbäumchen. Hatte er ein
gerade gewachsenes gefunden, das seinen Vorstellungen entsprach, merkte er sich den Standort
genau. Einen Tag vor dem Heiligen Abend ging er dann bei Einbruch der Dämmerung mit einer
kleinen Säge in den Wald, um das kostenlose als Weihnachtsbaum gedachte Bäumchen
abzusägen und mit nachhause zu nehmen. Allerdings war auch bei dieser Arbeit größte
Vorsicht geboten. Man durfte sich von keinem Förster erwischen lassen, die in dieser Zeit
ein besonders wachsames Auge hatten.
Selbst heute, da Sepp schon weit über die 80 ist, hält er bei seinen täglichen
Waldspaziergängen, immer noch Ausschau nach dürren Bäumen und Brennholz, soweit
es seine trüb gewordenen Augen erlauben. Obwohl er schon seit über einem Jahrzehnt
kein Brennholz mehr benötigt, da seine Wohnung mit Gas beheizt wird, kann er von der Macht
der Gewohnheit nicht lassen. Der Stoff Holz lässt ihn eben immer noch nicht los
© Walter J.Pilsak 2003
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